Vielleicht nicht unbedingt das naheliegendste Thema für den ersten Post zum Thema Equipment, aber beim Überlegen, welche Themen sich denn so für einen Blog anbieten würden bin ich bei sehr vielen recht schnell auf einen Bezug zum Thema Shot Tracking bzw. Game Golf gekommen. Die Dokumentation meiner Fortschritte wird sehr stark auf den daraus gewonnen Statistiken beruhen, einiges im Bereich Training auch und auch Artikel zu meinen Schlägern werden wohl nicht ohne den ein oder anderen Verweis auf die unterschiedlichen Messergebnisse auskommen.

Und bevor sich an all diesen Stellen diejenige, denen Game Golf nichts sagt, am Kopf kratzen, ist es vielleicht am schlauesten, einfach damit anzufangen und somit eine Referenz für den zukünftigen Gebrauch zu schaffen.

Was ist Game Golf?

Bei Game Golf handelt es sich um ein System zum Aufzeichnen und Auswerten der auf dem Golfplatz gemachten Schläge („Shot Tracking“) mit Hilfe von GPS. Es wird also für jeden einzelnen Schlag erfasst, von wo er gemacht wurde und wohin er gegangen ist (bzw. von wo der nächste Schlag gemacht wurde, was ja in den meisten Fällen der Ort ist, an dem der Ball nach dem vorhergehenden Schlag liegen geblieben ist).

Technisch gibt es dazu bei Game Golf mehrere Möglichkeiten. Zum Einen eine kostenlose App, die das GPS des Smartphones nutzt. Hierbei wird einfach vor dem Schlag auf dem Handy der zu verwendende Schläger ausgewählt. Die App fungiert dabei auch gleich noch als Entfernungsmesser und gibt die Distanzen zu Hindernissen sowie Anfang/Mitte/Ende des Grüns an. Die anderen (kostenpflichtigen) Varianten arbeiten alle mit kleinen Tags, die in die Enden der Schlägergriffe geschraubt werden. Je nach Variante müssen diese Tags dann vor dem Schlag entweder an das Smartphone oder einen mitgelieferten Gürtelclip getippt werden, damit die Position des Schlags aufgezeichnet wird. Zumindest bei der Variante mit den Gürtelclips gibt es aber auch eine „Auto Shot Detection“, die relativ zuverlässig erkennt, wenn man einen Schlag macht aber vergessen hat, den Schläger vorher zu taggen.

Nach der Runde werden die Daten dann entweder vom Smartphone oder vom Gürtelclip auf die Seite von Game Golf geladen und können dann noch editiert werden, falls einmal ein Schlag/Ort nicht oder falsch erkannt wurde oder z.B. noch Strafschläge angefallen sind.

Und was bringt das?

Die Daten werden auf der Seite ausgewertet und aufbereitet. Wohl mit die einfachste, aber trotzdem sehr nützliche, Auswertung sind die Schlaglängen nach Schläger. Es wird für jeden Schlag auf der Runde (sofern er irgendwo spielbar gelandet ist…) die Schlaglänge angezeigt. Sehr gut zum Angeben nach der Runde, oder auch desillusionierend, wenn der vermeintliche Monsterdrive doch nicht so lang war wie auf der Runde gedacht.

Wichtiger als die Längen der einzelnen Schläge sind aber die zusammengefassten Werte pro Schläger. In einer extra Übersicht zeigt Game Golf zu jedem Schläger die damit erreichten Weiten an,  dazu auch noch die „typische“ Schlagweite für jeden Schläger. Nach einiger Zeit schafft es die Software auch, fette/dünne Schläge, Chips oder sonstige Schläge, die stark von der normalen Distanz abweichen, auszusortieren, so dass diese die Werte nicht beeinflussen.

So kriegt man relativ schnell einen zuverlässigen Eindruck wie weit man mit den jeweiligen Schlägern kommt – eine wichtige Information auf der nächsten Runde, wenn man vor der Wahl steht, das Eisen 7 oder doch das Eisen 6 für den Schlag ins Grün aus dem Bag zu ziehen.

Längen für Driver, Mini Driver und Hybrid der letzten 10 Runden

Längen für Driver, Mini Driver und Hybrid der letzten 10 Runden

Zusätzlich zu den Schlaglängen gibt es noch haufenweise weitere Statistiken. Wie bei den Tour Pros gibt es die Quoten für getroffen Fairways (FIR), Grüns (GIR), dazu die durchschnittliche Putts pro Loch und die Prozentzahlen für erfolgreiche Sand Saves und Scrambling. Die Werte lassen sich auch mit anderen Spielern oder einem, imaginären, durchschnittlichen Spieler einer bestimmten Spielstärke vergleichen, um einen besseren Eindruck der eigenen Stärken und Schwächen zu kriegen.

Wer wissen will, wie es um das eigene Eisenspiel bestellt ist kann sich seine Treffgenauigkeit im Anspiel auf das Grün anzeigen lassen, gestaffelt nach Entfernungen. Neben dem Anteil der Treffer näher als 15m an der Fahne werden hier auch die Anteile der Fehschläge (zu kurz/zu lang oder zu weit rechts/links) angegeben. Wer aus 150m zu 80% zu kurz bleibt und bei 70% der Schläge zu weit rechts sollte in Zukunft vielleicht öfter mal einen Schläger mehr nehmen und, alleine oder mit einem Pro, an der Zielgenauigkeit arbeiten.

Annäherungen aus 125 - 150 m der letzten 10 Runden

Annäherungen aus 125 – 150 m der letzten 10 Runden

Die (meiner Meinung nach) neben den Schlaglängen wichtigste Statistik wurde gerade erst zum Jahreswechsel 2015/2016 so richtig eingeführt: Strokes Gained. Ein relativ komplexes Konzept, das vielleicht einen eigenen Eintrag verdient, aber ganz sicher nicht mal so eben nebenbei erklärt werden kann. Der ein oder andere hat vielleicht bei einer Golfübertragung im Fernsehen davon gehört, am häufigsten ist dort von den „Strokes Gained Putting“ die Rede.

Daher belasse ich es an dieser Stelle ohne weitere Erklärung oder Beweisführung einfach bei der Aussage, dass es sich bei „Strokes Gaines“ um ein ausgezeichnetes System handelt, um die Stärken und Schwächen des eigene Spiels aufgegliedert nach Bereichen (Abschläge, langes Spiel, kurzes Spiel, Putten) zu analysieren.

Bei Game Golf geht das nicht nur im Vergleich zu einem Scratch-Spieler, sondern auch im Vergleich zu einem durchschnittlichen Spieler mit Handicap 5/10/15/20/25. Man kann also sehr gut sehen, welche Spielbereich für das eigene Handicap überdurchschnittlich und welche unterdurchschnittlich gut sind. Oder auch, bei welchen Bereichen man im Vergleich zur angestrebten nächsten Handicapstufe noch am meisten Aufholbedarf hat.

Verlorene Schläge gegenüber einem Scratch Spieler

Verlorene Schläge gegenüber einem Scratch Spieler

Apropos Handicap – Game Golf berechnet auf Basis der letzten 20 Runden ein Handicap (vermutlich analog des amerikanischen Handicapsystems). Dieses berücksichtigt zwar nicht Dinge wie Slope oder Course Rating, ist aber trotzdem eine nette Orientierung für den eigenen Fortschritt, insbesondere, wenn man nicht so viele Turniere spielt oder das Gefühl hat, dass das offizielle Handicap nicht mit der eigenen Entwicklung mithalten kann.

Die Schwächen…

Vielleicht merkt man es, ich bin ein ziemlicher Fan des Systems. Trotzdem gibt es einige Nachteile bzw. Schwächen, die nicht unerwähnt bleiben sollen.

Eine Schwäche ergibt sich aus der verwendeten Technik selbst: die Genauigkeit von (zivilem) GPS ist zwar seit Einführung stark verbessert worden, allerdings kann die Position auch heute noch nur auf bis zu 1-5m (die Werte schwanken je nach Quelle) bestimmt werden.

Das kann dazu führen, dass ein Ball als im Rough angezeigt wird, der eigentlich noch auf dem Fairway lag, oder als knapp neben dem Bunker obwohl er in Wirklichkeit leider doch reingerollt ist. Solche Fälle lassen sich allerdings im Nachhinein recht schnell beim Editieren ändern.

Nicht ganz so leicht geht es teilweise auf dem Grün, dabei ist es für die „Strokes Gained“ Auswertung schon eher von Bedeutung, ob der erste Putt aus einem oder aus fünf Metern gespielt wurde.

Eine weitere Schwäche zeigt sich auch auf den Grüns, und zwar kann Game Golf aufgrund der ständig wechselnden Fahnenpositionen nicht wissen, wo sich an einem bestimmten Tag die Fahne befindet. Bei mehr als zwei Putts auf dem Grün wird die Fahnenposition automatisch zwei Fuß (ca. 60 cm) vom Ort des letzten Putts „vermutet“, wenn nur ein Putt benötigt wird platziert Game Golf die Fahne mangels Anhaltspunkten einfach in der Mitte des Grüns. Beides kann/muss bei Bedarf ebenfalls nach der Runde manuell editiert werden.

Fazit

Wie schon gesagt, ich mag das System, es ist eigentlich bei jeder Runde im Einsatz. Ich bin allerdings auch ein Zahlenmensch, das Zitat „Was man nicht messen kann, kann man nicht verbessern“ könnte von mir stammen. Aber auch, wer sich für die Detailzahlen nicht so interessiert wird zumindest vom Wissen über die eigenen Schlaglängen profitieren.

Über die App lässt sich die gesamte Funktionalität ausprobieren, es gibt (meines Wissens nach) keine Analysebereiche, die nur den Verwendern einer der Hardwareoptionen offen stehen. Ich habe selbst zunächst die App genutzt, allerdings war es mir irgendwann zu mühselig, immer das Handy in der Hostentasche zu tragen und vor jedem Schlag auf dem Bildschirm den nächsten Schläger einzugeben. Außerdem war noch nicht lange absehbar, dass Handys standardmäßig als Entfernungsmesser im Turnier zugelassen werden, und ich wollte auch meine Turnierrunden aufzeichnen und brauchte eh für die Turniere einen definitiv regelkonformen Entfernungsmesser.

Wer mag kann sich auch noch Alternativen zu Game Golf anschauen, ein bisschen Auswahl gibt es am Markt schon. Einige der Alternativen funktionieren ebenfalls über Hardware Lösungen, andere nur als App, einige bieten genau so viele oder auch mehr/andere Funktionen, andere beschränken sich auf die Angaben von Entfernungen und die Messung der Schlaglängen. Eine Google Suche zum Thema „shot tracking“ sollte hier brauchbare Ergebnisse bringen.