Der erste Eintrag zum Thema „Golfplätze“ gebührt natürlich meinem Heimatclub – Open9 Golf Eichenried, gelegen direkt neben dem Golfclub Eichenried, den man als einen der beiden Austragungsorte des BMW International Open kennt.

Bei Open9 handelt es sich um einen 9 Loch „Executive“ Platz mit einer Länge von gut 2100m von Gelb. Ich habe mir den Club damals ausgesucht, weil er mir von Bekannten empfohlen wurde, sowohl vom Büro als auch von der Wohnung aus gut zu erreichen ist, und außerdem einen relativ anfängerfreundlichen Eindruck bei mir hinterlassen hat.

 

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Aber der Reihe nach.

Der Übungsbereich

Wenn man am Clubhaus vorbei ist stößt man schnell auf den großzügig dimensionierten und gut ausgestatteten Übungsbereich.

Als erstes liegt das Putting- und Chippinggrün vor einem, das locker zwei- bis dreimal so groß ist wie in vielen anderen Clubs. Mit vielen Neigungen und Steigungen und den unterschiedlichsten Lochpositionen vom einfachen Loch mitten in der Ebene bis zur fiesen Hanglage bieten sich ausreichend Möglichkeiten, alle nur erdenklichen Puttvarianten zu trainieren. Dank der Größe findet sich auch meisten noch ein Plätzchen, nur beim Einspielen vor Turnieren kann es ab und zu eng werden.

Gegenüber, auf der anderen Seite des Wegs, wartet das Pitch- und Flop-Shot-Grün. Ebenfalls deutlich onduliert bieten sich auch hier sehr viele Möglichkeiten, Annäherungen der unterschiedlichsten Anspruchsstufen zu trainieren – vom simplen 15 m Pitch/Chip vom Fairway bis zum knackigen Flop aus dem Rough auf eine am Hang gesteckte Fahne ist alles drin.

Abgerundet wird der Kurzspielbereich durch ein weiteres Übungsgrün hinter dem Puttinggrün, an dem Bunkerschläge und hohe Annäherungen geübt werden können.

Ich war zwar noch nicht auf so vielen Golfplätzen, bei den bisher besuchten habe ich vergleichbare Übungsmöglichkeiten für das kurze Spiel aber bisher vergeblich gesucht. Leider spiegelt mein eigenes kurzes Spiel die Trainingsmöglichkeiten noch nicht ganz wider…

Im Anschluss an den Kurzspielbereich folgt die Driving Range. Auf den ersten Blick fällt hier einer der Nachteile auf: keine Rasenabschläge (bzw. es gibt welche, aber die sind den Pros und ihren Schülern vorbehalten). Statt den sonst üblichen mehr oder weniger abgerockten Matten gibt es bei Open9 aber einen fest verlegte, kunstrasenartigen Teppich. Dieser ist natürlich mit richtigem Rasen nicht vergleichbar, aber deutlich besser als die sonst oft üblichen, quadratischen Matten. Es gibt keine durchgescheuerten Stellen und man kann sogar Tees hineinstecken.

Alle paar Meter finden sich kleine Metallplatten, die die jeweilige Entfernung zu den Übungszielen vom aktuellen Standort angeben. Sehr praktisch!

Neben dem relativ großen offenen Bereich gibt es auch noch eine Reihe von überdachten Abschlägen. Einige davon nicht nur mit Licht sonder auch mit an der Decke angebrachten Heizstrahlern für die kalte Jahreszeit. In den „Stallungen“ gibt es auch großformatige und dicke Kunstrasenmatten als Abschläge. Diese sind zwar etwas härter als der Teppich im freien, spielen sich aber trotzdem noch besser als „normale“ Abschlagsmatten.

Zur Abrundung gibt es im überdachten Bereich auch noch Flutlicht für das Training im Dunkeln. Dessen Reichweite ist allerdings leider auf rund 100m begrenzt. Wer beim Eisentraining gerne sieht, wo seine Bälle landen (soll ja ganz nützlich sein, hab ich gehört) muss sich also, je nach Reichweite, auf kurze Eisen oder sogar Wedges beschränken. Ist jetzt natürlich jammern auf hohem Niveau, aber trotzdem eine kleine Einschränkung.

Ganz am Ende der überdachten Abschläge kommen noch in zwei garagenartigen Bauten das Fitting- und Learning Center. Im ersten Raum ist das Titelst Fitting Center untergebracht, komplett mit Trackman und dem gesamten Angebot aus dem Hause Titleist, im Learning Center im zweiten Raum warten diverse Trainingstools und ein Videoanalysesystem.

Zum Abschluss noch eine Sache, die mich an der Driving Range stört, bevor jemand denkt, ich würde hier nur Lobeshymnen schreiben.

Die Zielgrüns sind größtenteils erhöht, so dass sich eine stark bewegte Landschaft ergibt. Verstärkt wird dies noch dadurch, dass irgendjemand auf die Idee gekommen ist, Bunker im Zielbereich der Range einzubauen. Einen praktischen Nutzen haben diese wohl nicht, also sollen sie wohl die Range „hübscher“ gestalten. Und natürlich ist eine bewegte Landschaft mit eingestreuten Bunkern angenehmer anzuschauen, als eine plane Wiese mit nichts als ein paar Schildern/Fahnen drauf.

Allerdings wurde hier für mich der Nutzwert der Optik geopfert. Schon auf freiem Feld ist es für die meisten ohne Superman’s Fernglasblick oder zumindest ordentliche Adleraugen schwer genug, den Landepunkt eines Golfballs einigermaßen zuverlässig zu erkennen. Wenn der Ball dann aber in einer bewegten Landschaft irgendwo zwischen Bunkern und erhöhten Grüns in einer Senke verschwindet wird das vollkommen unmöglich.

Vielleicht bin ich mit der Einstellung auch alleine, aber ich würde eine Variante vorziehen, bei der man den Ball besser landen sieht. Wie sagt Martin Kaymer im Interview in der jüngsten Ausgabe des Süddeutsche Zeitung Magazins „golf spielen“ so schön über die Driving Range im Augusta National Golf Club: „Das Gras ist perfekt, die Grüns hängen nach vorne. Man sieht also, wo und wie der Ball aufkommt.“ Es dürfte schwer sein für die meisten Clubs, an Augusta heranzukommen, die Driving Range dürfte dazu die beste Chance seien… 😉

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Der Platz

Obwohl die nächste Küste mehrere hundert Kilometer entfernt ist hat die Anlage eine deutliche Links-Charakteristik. Bäume sind spärlich und eher als gezielte Deko-Akzente eingesetzt, Schutz vor Wind oder Sonne erhofft man sich hier vergeblich. Dazu kommt, dass die Fairways und Grüns insgesamt eher fest sind, man erhält also ziemlich viel Roll und da es auch keine harten Grünkanten gibt bietet sich bei knapp verfehlten Grüns oftmals das Texas-Wedge als bester Schläger an.

Das ist auch Folge der bewusst angestrebten Robustheit des Platzes, dank derer man in Open9 oft noch auf Sommergrüns (bzw. überhaupt) spielen kann, während andere Anlagen sich im Herbst irgendwann in matschige Wiesen verwandeln und anschließend nur unter Einschränkungen (Fairwaymatten, Wintergrüns, nur Tragebags erlaubt) gespielt werden können.

Alle Abschläge auf dem Platz sind Mattenabschläge, dabei kommen die selben „Mattenteppiche“ zum Einsatz wie auch auf der Range. Es können also normale Tees benutzt werden, allerdings können diese nicht beliebig tief in den Boden gesteckt werden, man muss also probieren, mit welcher Teelänge man den Ball auf die gewünschte Höhe kriegt. Im Shop gibt es einige kürzere Tees zu kaufen.

Zwar sind Gras-Abschläge sowohl optisch als auch spielerisch die schönere Alternative, allerdings tragen auch die Mattenabschläge zur allgemeinen Robustheit und somit der hohen Nutzbarkeit bei.

Nur an wenigen Löchern wird man am Abschlag mit „forced carries“ konfrontiert, was insbesondere für noch unsicherere Spieler den Druck angenehm reduziert.

Die Fairways sind wie schon erwähnt relativ hart. Für Spieler aller Stärken bedeutet dies, dass man mit ordentlich viel Ausrollen gerade vom Tee gut Länge machen kann. Für Anfänger bietet dies zusätzlich noch weitere Vorteile: aufgrund des harten Bodens haben fette Treffer deutlich geringerere Auswirkungen als auf Plätzen mit weicheren Fairways, der Längenverlust ist in solchen Fällen einfach weniger dramatisch. Auch dünn getroffene oder sogar getoppte Bälle können mitunter fast oder sogar genauso weit gehen wie gut getroffene Schläge, nur dass in solchen Fällen die Flug- bzw. Rollbahn weniger ansehnlich ist als beim satten Sweet-Spot Treffer – seit Abschaffung der B-Note im Golfsport ist das aber wohl unerheblich und verkraftbar.

Auf einigen Bahnen kommt etwas Bewegung in die Fairways, überwiegend hat man es aber mit relativ ebenen Balllagen zu tun. Sollte jedoch mal an einem Loch Wasser ins Spiel kommen fällt das Fairway auch zuverlässig zu diesem hin ab.

Mehrere der Grüns sind leicht erhöht, in Kombination mit den harten Fairways lohnt es sich also, ein Wedge mit viel Loft und weniger Bounce im Bag zu haben. Die Grüns selbst sind auch relativ hart, im Sommer hinterlassen selbst steile Annäherungsschläge eher Pitchmärkchen als ausgewachsene Pitchmarken. Vielleicht sind die oft nur schwer wahrnehmbaren Pitchmarken auch der Grund, warum diese teilweise nicht ausgebessert werden, ab und zu sehen die Grüns auch mal aus, als hätten sie Pickel… Der Zustand der Grüns ist aber größtenteils gut, die Bälle laufen spurtreu und einigermaßen flott.

Viele Grüns sind, gerade auf den ersten Blick sehr groß, allerdings werden sie dann häufig von Wellen oder Kanten in mehrere Bereiche aufgeteilt, hier sollte man bei der Annäherung zumindest die richtige Grünhälfte anvisieren, sonst rückt schnell mal ein Dreiputt in greifbare Nähe.

Was Hindernisse angeht kommt an 4 Löchern mehr oder weniger Wasser ins Spiel. Wie schon geschrieben fällt das Fairway dann gerne mal Richtung Ufer ab, es können also auch zunächst sicher geglaubte Bälle noch nasse Füße kriegen. Dazu kommen diverse Bunker und eine Waste Area.
Die Bunker sind gut platziert. Viele Fairwaybunker kommen für Anfänger und Shorthitter nicht ins Spiel (zumindest nicht beim ersten Schlag… 😉 ), zwingen aber bessere Spieler oder solche, die den Ball etwas weiter schlagen können, oftmals dazu, sich vom Tee zwischen defensiver und offensiver Variante zu entscheiden.

Alles in allem ein gelungener Platz, der für Anfänger eine gute Einstiegsmöglichkeit bietet, aber auch Fortgeschrittenen und Könner noch viel Spaß machen kann.
Man sollte sich nur als Anfänger nach den ersten Erfolgen nicht zu sehr in Sicherheit wiegen, sonst könnte auf schweren Plätzen ein unangenehmes Erwachen drohen (ja, ich spreche da aus eigener Erfahrung…).

Teil II folgt demnächst mit einer Hole-by-hole Führung über den Platz.